Betrachtet man die letzten Transfers des FC Wil 1900, so fällt auf, dass die Wiler nicht nur auf junge Spieler mit Entwicklungspotential setzen, sondern vor allem auch auf junge Leihspieler. Dies obwohl der Verein zusammen mit dem FC St.Gallen 1879 eine fortschrittliche Nachwuchsorganisation betreibt. Future Champs Ostschweiz (FCO) findet, fördert und fordert Talente in der ganzen Ostschweiz. Das Einzugsgebiet reicht vom Hinterthurgau bis ins Bündner Puschlav.

Doch in den vergangenen Tagen kommunizierten die Äbtestädter gleich sechs Verpflichtungen von Leihspielern aus den Vereinen BSC Young Boys (Kronig und Ballet), RB Salzburg (Köhn), SCR Altach (Mätzler) und FC Zürich (Krasniqi und Sauter). Von eigenen FCO-Nachwuchstalenten fehlt so ziemlich jede Spur.

Eine Zusammenarbeit zwischen FCSG und FC Wil forcieren

Spannend ist in diesem Zusammenhang auch, dass diverse Spieler aus dem FCO-Nachwuchs beim FCSG unter Vertrag stehen und dringend Spielpraxis für ihre Weiterentwicklung bräuchten, jedoch kaum zum Einsatz kommen. Die besten Beispiele dafür sind: Angelo Campos und Fabio Solimando. Solimando blieb ohne Einsatz in der Super League und kam lediglich auf 9 Spiele mit der U21. Etwas besser traf es Angelo Campos, der es auf acht Einsätzen in der ersten Mannschaft brachte, was reell jedoch nur 61 Minuten Spielzeit bedeutete. Dazu kam er noch auf fünf Einsätze in der U21.

Das sind Werte, die alles andere als förderlich für die Entwicklung der jungen Spieler sind. Hätte man die beiden an den FC Wil ausgeliehen, kämen die Eigengewächse wohl auf viel mehr Spielzeit, könnten Spielpraxis sammeln und ihre Karriere so richtig lancieren. Beide Vereine würden auch profitieren – aus sportlicher Sicht wie auch wirtschaftlich. Also eine Win-Win-Win-Situation, bei der alle drei Parteien gewinnen.

Mit Leihspielern allein verdient man kein Geld

Denn würde man, wie bei den unteren Ausbildungsstufen, enger zusammenarbeiten, hätten die Talente einen einfacheren Weg in den Profifussball. Von der 1. Liga über die Challenge League, weiter in die Super League. Kann man die Eigengewächse dann eines Tages zu anderen Vereinen transferieren, so spühlt das Geld in die Kasse. Geld, das mit klaren Abmachungen beiden Vereinen zu Gute kommen könnte.

Ganz anders ist es bei Leihspielern von anderen Vereinen. Wird in einem Leih-Vertrag keine Ablösesumme definiert, die für den ausleihenden Verein wirklich realisierbar ist, hat man kurzfristig einen sportlichen Mehrwert, finanziell jedoch nur bedingt lukrativ sein könnten, wenn Weiterverkaufsbeteiligungen ausgemacht wurden. Natürlich brauch ein Verein wie der FC Wil den einen oder anderen Leihspieler, damit das Team kompetitiv bleiben kann, denn das Budget lässt Spielerkäufe wohl eher nicht zu. Dennoch sollten die eigenen Nachwuchsspieler nicht in Vergessenheit geraten und eventuell eine engere Zusammenarbeit mit dem FCSG angestrebt werden.

Wie der Sportkoordinator vom FC Wil, Jan Breitenmoser, zu diesem Thema steht, seht ihr hier im Video.

 
FC Wil Sportkoordinator Jan Breitenmoser über die Transferpolitik des FC Wil und die Zusammenarbeit mit dem FCSG.