Das Leben kann unerwartete Wendungen nehmen. So auch bei Thomas Wyss, dem heutigen Talentmanager des FCO. Eigentlich hat er dem Fussball bereits zwei Mal den Rücken gekehrt, entkam ihm aber nicht. Im Jahr 2001 hängte der elffache Schweizer Internationale seine Fussballschuhe an den Nagel. Davor spielte er unter anderem auch im Dress des FC St. Gallen, was in ihm eine grosse Verbundenheit zum Verein wachsen liess. «In mir ist eine Welt zusammengebrochen, als wir damals in die Nationalliga B abgestiegen sind. Das Club-Logo hat sich über drei Jahre stark in mein Herz gebrannt. St. Gallen wurde fussballerisch zu meiner zweiten Heimat», sagt Wyss zu seiner Profi-Zeit bei Grün-Weiss.

Doch nach der Fussballerkarriere sehnte er sich bald nach Abstand vom Fussball. Er wollte freie Wochenenden geniessen können und begann, im Versicherungswesen zu arbeiten. Es sollte aber nicht der definitive Abschied aus dem Profifussball sein. Unter Carlos Bernegger wurde er 2014 Assistenztrainer der ersten Mannschaft des FC Luzern. 14 Monate später kam es zum Trainerwechsel bei den Innerschweizern – und zugleich auch zum Ausscheiden von Thomas Wyss. Er ging wieder zurück zur Versicherung und war sich sicher, mit dem Fussballbusiness nun definitiv abgeschlossen zu haben. Doch dann kam Alain Sutter mit der Offerte, Talentmanager bei seiner alten Liebe in der Ostschweiz zu werden.

Wohngemeinschaft mit Alain Sutter

«Als mir Alain Sutter das FCO-Konzept und seinen Führungsstil näherbrachte, war ich überzeugt. Seit 2019 bin ich zurück in meiner zweiten Heimat mit einem Vollzeitjob und bin glücklich», erzählt Thomas Wyss. Der heute 53-Jährige und zweifacher Grossvater lebt aktuell in einer Wohngemeinschaft in Gossau. «Ich wohne in einer WG zusammen mit Alain Sutter und unserem U-18-Trainer Miodrag Tomanic. Es ist perfekt», sagt Wyss. Er fühlt sich sichtlich wohl in St. Gallen und liebt seinen Job im Nachwuchsbereich. «Mein Ziel ist, den jungen Talenten etwas Druck von den Schultern zu nehmen. Die Zusammenarbeit mit Menschen ist für mich erfüllend», beschreibt sich der Luzerner selbst. Genau dieser Arbeit kann er beim FC St. Gallen als Talentmanager nachgehen. Er betreut die zehn grössten Talente des FCSG-Nachwuchses - (1. Mannschaft) Tim Staubli, Fabio Solimando, Leonidas Stergiou, Betim Fazliji, Angelo Campos, (U21) Armin Abaz, Christian Witzig, David Jacovic, (U18) Florian Van der Werff  und (U16) Federico Crescenti.

Für das Leuchten in den Augen

Doch was macht Wyss eigentlich genau? Beim Talentmanagement geht es darum, dass der Verein die grössten Talente in seinem Nachwuchs definiert. Jene Spieler, von denen man glaubt, dass sie das Potenzial haben, eines Tages auf dem Rasen im Kybunpark auflaufen zu können. Diese Nachwuchshoffnungen werden von Thomas Wyss betreut. «Die sogenannten Sternchen-Spieler versuchen wir in mentaler und fussballerischer Hinsicht auf die Profikarriere vorzubereiten. Ich bespreche mit ihnen auch schulische, familiäre und private Angelegenheiten. Ich sehe mich als ihr Götti», sagt Wyss.

 
Thomas Wyss spricht über das perfekte Talent

«Ich rolle keinen roten Teppich für die Talente aus. Ich begleite die Spieler lediglich. Denn schliesslich müssen sie ihre eigenen Erfahrungen machen – im positiven und negativen Bereich», führt er weiter aus. Diese Betreuung ist nötig, da sich die Nachwuchsarbeit im Fussball stark professionalisiert hat. «Die Spieler stecken in einem System, in dem sie kaum noch Freizeit haben. Ihr Stundenplan ist unglaublich dicht. Ich bemerke teilweise, dass die Spieler die Freude am Fussball etwas zu verlieren. Das Leuchten in den Augen fehlt auf dem Fussballplatz», sagt der Talentmanager. Mit seiner Unterstützung möchte er seinen zehn Schützlingen unter die Arme greifen, damit diese die Freude am Fussball nicht verlieren.