Kaum ein Verein vermeldete in letzter Zeit mehr Transfers als der FC Wil. In diesem Transfer-Sommer haben die Äbtestädter bereits acht Mal auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Dabei war das Beuteschema des FC Wil klar erkennbar – junge Perspektiv-Spieler von renommierten Vereinen ausleihen. Das Durchschnittsalter der Neuzugänge beträgt 19.25 Jahre. Alles Transfers, die sich unteranderem Trainer Ciriaco Sforza gewünscht hat, der wohl nun nur noch wenige Tage in Wil sein wird. Laut diverser Medienberichte wechselt der der charismatische Zürcher zum FC Basel. FC Wil Medienchef Dani Wyler sagt dazu: «Die Gespräche laufen, unterschrieben ist jedoch noch nichts.»

Acht Leihspieler - keiner aus dem eigenen Nachwuchs

Unter Sforza machte sich der FC Wil einen Namen als grossartiger Ausbildungsklub. Viele Vereine wollen ihre Perspektiv-Spieler, ihre jungen Talente an den FC Wil ausleihen, damit sie den nächsten Schritt im Profifussball machen können. Dies ist sicherlich ein verdienst von Sforza aber auch von der Klubphilosophie – konsequent auf junge Spieler zu setzen.

Dass man nun bereits sechs Spieler von verschiedenen in- und ausländischen Klubs ausgeliehen hat und kein einziges Talent von Future Champs Ostschweiz (FCO) bedacht hat, zeigt ganz deutlich, dass die Zusammenarbeit zwischen dem FC Wil und dem FC St.Gallen in dieser Beziehung nicht gut funktioniert. Die Espen beanspruchen die Talente für sich, da sie den Löwenanteil am gemeinsamen Nachwuchsprojekt FCO finanzieren und die Wiler sehen sich als die Ausgenutzten.

Mit Malik Talabidi und Noah Jones verpflichteten die Wiler nun zwei Spieler von RB Leipzig fix.

Duah als Beispiel für ungenügende Zusammenarbeit

Wie hallowil.ch berichtete ist der Wechsel von Kwadwo Duah ein Beispiel für die Querelen zwischen den beiden Ostschweizer Profifussballklubs. «Es war der ausdrückliche Wunsch des Spielers, zum FC St. Gallen zu wechseln. Obwohl das Angebot der St. Galler deutlich unter dem Marktwert lag, wollten wir ihm keine Steine in den Weg legen», sagte Maurice Weber gegenüber hallowil.ch. Die Äbtestädter musste eine grosse Sturmhoffnung trotz längerfristigem Vertrag an den grossen Bruder im Kanton abgeben und das auch noch für eine «Butterbrot». Dies weil der Spieler unbedingt wechseln wollte und Reisende sollte man ziehen lassen. Die knapp finanzierten Wiler schauten in die Röhre und mussten auf viel Geld verzichten. Klar, dass dabei auch das ruhigste Gemüt zu brodeln beginnen kann.

FC Wil verliert 1:2

Dennoch hat der FC Wil mehrere Spieler mit FCO-Vergangenheit im Kader. Sechs an der Zahl. Mit Noah Blasucci ist ein weiterer Spieler derzeit im Kader – als Testspieler. Auch der FC Schaffhausen hat einen Mann im Kader, der sein Handwerk beim FCO erlernt hat.

Das Spiel war anfänglich ausgeglichen. In der Start-Viertelstunde kamen weder die Äbtestädter, noch die Munotstädter zu reellen Torchancen. In der 16. Spielminute konnte ein Standard das Team von Murat Yakin in Führung bringen – Kopfballtor nach einer Ecke. Beflügelt vom Führungstreffer rissen die Schaffhauser das Spieldiktat an sich. Es folgte noch die eine oder andere gute Torchance.

Die Heimmannschaft kam dann nach dem Pausentee besser aus der Kabine. Bledian Karasniqi konnte mit einem schönen Lauf über die linke Seite und einem gezielten, flachen Abschluss den Ausgleich erzielen. Eine Unkonzentriertheit von Goalie Abubakar, der den Ball nicht festhalten konnte und danach zur Grätsche im 16er ansetzte, wurde mit einem Penalty bestraft. Helios Sessolo vollendete gekonnt und brachte so sein Team zurück auf die Siegerstrasse. Mit diesem Spielstand endete das Spiel.

Leistungen FCO-Profis vom FC Wil

Philipp Muntwiler

Der Captain und «Leitwolf» des FC Wil konnte am Testspiel nicht teilnehmen. Muntwiler fehlt seinem Team aufgrund einer muskulären Verletzung, die er sich im Testspiel gegen den FC Vaduz zugezogen hat.

Serkan Izmirlioglu

Der erst kürzlich vom SC Brühl zum Team gestossene Serkan Izmirlioglu war der einzige Spieler mit FCO-Vergangenheit, der in der Startelf stand. Der Innenverteidiger wirkt mehrheitlich sicher und hatte die Stürmer vom FC Schaffhausen im Griff. Kleinere Stellungsfehler waren teilweise noch zu sehen. Nach 45 Minuten durfte er seinen Arbeitstag beenden.

Silvano Schäppi

Silvano Schäppi übernahm den Platz von Andrea Padula als linker Verteidiger nach dem Seitenwechsel. Da die Wiler das Spiel in der zweiten Halbzeit besser im Griff hatten, war wenig von ihm zu sehen – was nicht negativ sein muss. Er hatte die linke Seite der Defensive im Griff.

Argtim Ismaili

Der Name von Argtim Ismaili stand zwar auf dem Matchblatt, doch auf dem Feld war er nicht zu sehen. Der junge Mittelfeldspieler kam in der vergangenen Saison auf elf Einsätze, fünf Mal von Beginn weg. Warum er heute zu keinem Einsatz kam, ist nicht bekannt.

Oliver Mayer

Oliver Mayer kam nach knapp 60 Minuten aufs Feld und ersetzte Torschütze Krasniqi auf der linken Aussenbahn. Zeigte einige Male seine Schnelligkeit. So entwich er in der 65. Minute fast allen Spielern vom FC Schaffhausen und das mit dem Ball am Fuss. Leider legte er sich den Ball zum Schluss etwas zu weit vor, dass er keine Hereingabe mehr spielen konnte. Kurz später rutschte er nur knapp an seinem ersten Treffer für das Profiteam vorbei. Eine gute Leistung des Youngsters.

 
Oliver Mayer über das Testspiel und seine Zukunft.

Yuri-Gino Klein

Auch nicht im Aufgebot des FC Wil stand der junge Torwart Yuri-Gino Klein. Während die Nummer 1 im Tor klar an Neuzugang Philipp Köhn gehen wird, duellieren sich Klein und Kader Abubakar um die zweite Torhüterposition. Der Ex-FCO-Goalie Klein stand beim letzten Test gegen den FC Vaduz eine Halbzeit zwischen den Pfosten und heute nahm Abubakar diesen Platz ein.

Noah Blasucci

Der Testspieler kam für die zweiten 45 Minuten auf den Kunstrasen des Bergholz. Noah Blasucci ersetzte Mergim Brahimi auf dem rechten Flügel und brachte direkt Dampf ins Spiel. Der junge Ostschweizer konnte sich mit seiner Schnelligkeit und guten Zuspielen zeigen und empfehlen. Er tat dem Spiel der Sforza-Mannschaft gut.

FCO-Spieler beim FC Schaffhausen:

Beim FC Schaffhausen befindet sich nur ein Spieler mit einer Vergangenheit beim FCO im Kader. Dzenan Talic spielte bis im Sommer 2016 in den Nachwuchsmannschaften des FCSG, welche bekanntlich dem FCO angeschlossen sind. Der heute 20-Jährige wechselte nach seinem Engagement für Grün-Weiss in den Nachwuchs vom FC Vaduz und schaffte danach über die zweite Mannschaft von Wil und Schaffhausen den Sprung zum Profi.

Beim heutigen Testspiel nahm der Mittelfeldspieler in der ersten Halbzeit auf der Bank Platz. In der 67. Spielminute reihte er sich im defensiven Mittelfeld des Yakin-Teams ein. Ein unauffälliger Auftritt mit wenigen Spielaktionen.