Es ist der Traum vieler Kinder, eines Tages als Profifussballer ihr Geld verdienen zu dürfen. Doch der Weg dort hin ist meist ein sehr steiniger, stark umkämpfter und mit Glück verbunden. Talent alleine reicht heute nicht mehr. Der Fussball entwickelt sich, Vereinsphilosophien werden stärker ausgelebt und so entstehen klare Bilder in den Köpfen der Scouts und Trainer, wie die Talente sein sollten. So sucht man etwa beim FC St.Gallen 1879 Talente, die perfekt ins «zeidlerische» Spielsystem passen – ein hohes Pressing, das sehr laufintensiv ist, mit schnellen Umschaltmomenten und raschem Abschluss. Dennoch müssen die Spieler auch zwingend vom menschlichen Aspekt her in die Mannschaft passen.

Somit muss ein Nachwuchsspieler nicht nur viel Talent mitbringen, er muss zudem ins «zeidlerische» Spielsystem und die Mannschaft passen. Ansonsten könnte der Weg beim FCSG bereits schwierig werden. Doch was braucht heutzutage ein Nachwuchsfussballer überhaupt, um als Talent zu gelten und womöglich den Schritt zum Profi zu schaffen?

«Enfants terribles» haben im modernen Fussball keinen Platz

Der moderne Fussball hat sich verändert. Fähigkeiten am Ball reichen nicht mehr. Kameradschaftlichkeit, familiäre Unterstützung, Willen und vieles mehr sind zentrale Voraussetzungen, welche ein Talent mitbringen muss. Ist der Spieler überaus talentiert, kann sich mit seiner Art jedoch nicht in das Teamgefüge mit einbringen oder hält sich nicht an Absprachen, so hat er einen schweren Stand im modernen Fussball. «Enfants terribles» bringen mit ihrer fussballerischen Qualität weniger, als dass sie menschlich in der Kabine hinderlich sind. Als prominentes Beispiel dafür kann Mario Balotelli genannt werden. Fussballerisch ein Superstar, doch charakterlich ein Problemfall für viele Trainer. Seine Karriere begann schnell, doch der Abstieg kam fast noch rasanter. Nur wer physisch, psychisch und soziologisch auf der Höhe ist, wird sich als Junior beim FCO durchsetzen können.

Drei Voraussetzungen neben dem Talent

Der Fussball auf der Welt wird immer härter und körperlich anstrengender. Trotzdem wird der Fussball immer jünger, was heisst dass die Teams wie beim FC St.Gallen 1879 einen deutlich tieferen Altersdurchschnitt aufweisen als früher. Dies kann sowohl als Fluch oder Segen für die Talente aufgefasst werden. Denn die Türe zum Profisport scheint weiter offen für junge Talente zu sein, doch die Ansprüche an sie sind deutlich gestiegen. In jungen Jahren müssen sie bereits einiges weiter sein in ihrer Entwicklung und haben somit weniger Zeit den Schritt in den Profifussball zu schaffen.

Physische Voraussetzungen

So werden Talente die eine späte körperliche Entwicklung durchleben oft übersehen. Denn wer im modernen Fussball den Durchbruch schaffen möchte, sollte bereits im Teenageralter physisch auf Top-Athleten-Niveau sein. Das beinhaltet die Körpergrösse, Gewicht, Muskelmasse, Schnelligkeit, Wachstumsentwicklung aber auch beispielsweise den Körperfettanteil.

Psychische Voraussetzungen

Doch nicht nur die Physis spielt neben dem Talent eine gewichtige Rolle in der Entwicklung zum Profifussballer. Genauso wichtig sind Charakterliche Merkmale und psychische Stabilität. Denn oft steigt es Junioren zu schnell in den Kopf. Man ist sportlich vielen Gleichaltrigen überlegen, diverse Mitmenschen schauen schon früh zu einem auf und man weckt Begehrlichkeiten. Dies sind Auswirkungen des Sports auf deren Alltag, welche den Nachwuchsspielern schnell zu Kopf steigen. Überhebliches Verhalten gegenüber Mitmenschen und Mitspielern ist dann schnell alltäglich. Doch auch das hat im heutigen Profifussball wenig Platz. Charakterliche Stärke, sowie Bodenständigkeit und Aufgeschlossenheit helfen dabei, sich in Teams zu integrieren und diese voranzubringen. Dennoch braucht es die psychische Stabilität, um mit dem grossen Druck, den vielen Verzichten und der enormen Konkurrenz umgehen zu können. Denn wer den Schritt schaffen will, muss Biss haben. Sich jeden Tag von Neuem in jede einzelne Trainingsübung mit vollem Engagement hineinknien. Das über Jahre hinweg und beginnend meist im Kindesalter.

Soziologische Voraussetzungen

Und genau weil die Fussballkarriere meist im Kindesalter sich anbahnt, braucht es nicht nur Eigenschaften die vom Nachwuchsfussballer ausgehen, sondern von den Leuten um das Talent herum. Dabei spielt die Unterstützung seiner Familie eine grosse Rolle. Denn nur wenn diese mitziehen, kann der Fussballtraum in Erfüllung gehen. Dazu zählt auch der kulturelle Hintergrund des Nachwuchsfussballers . Traditionen und Wünsche aus dem eigenen Umfeld haben im Fussball keinen Platz. Auf dem Fussballplatz sind alle Menschen gleich.

Neben den Eltern und dem kulturellen Hintergrund spielt die Beziehung zu den jeweiligen Trainern eine tragende Rolle. Die Trainer-Spieler-Beziehung muss förderlich sein. Ein Vertrauensbasis, basierend auf offener Kommunikation, höflichem Umgang, Sicherheit und sportlicher Weiterentwicklung, muss bestehen, um voranzukommen.

Daneben muss jedoch auch die Fallhöhe minimiert werden. Denn nur die aller wenigsten Talente dürfen sich eines Tages Profifussballer nennen und verdienen ihren Lebensunterhalt als Sportler. Der Grösste Teil muss Anschluss in der Arbeitswelt finden, die ihm nicht all zu fremd sein darf. Das Fussballtalent darf also nicht zu tief fallen. Somit ist die schulische und berufliche Ausbildung zum Profi nicht zu vernachlässigen. Weder von Seiten des Vereins, noch von der Familie und dem Umfeld.

Fussballprofi zu werden ist also keine Einzelleistung, sondern eine Teamleistung!