Der frühere FCSG-Stürmer Alex Tachie-Mensah wuchs in Ghanas Hauptstadt Accra auf. Eine Millionenmetropole direkt am Meer. «Ich habe nur gute Erinnerungen an meine Kindheit und auch an meine Anfänge als Fussballer. Mit 14 Jahren unterschrieb ich meinen ersten Vertrag», sagt der Ex-Espe. Dass er den Schritt zum Profi schaffte, ist nicht selbstverständlich, auch wenn es vom Talent her keine Frage war. «In Ghana erhält man nur eine einzige Chance. Wenn du zu diesem Zeitpunkt nicht funktionierst, ist der Traum geplatzt», sagt Tachie-Mensah.

Auch die Vertragsverhandlungen liefen dazumal anders. Seine erste Ausland-Station war Borussia Mönchengladbach. Ob der junge Fussballer wollte oder nicht: Er wurde dorthin geschickt. «Ich war nur wenige Monate dort. Ich lebte, ass und schlief in einem Hotel. Mir fehlte der Kontakt zu den Menschen. Ich wollte nur noch nach Hause», beschreibt er sein Bundesliga-Abenteuer. Jedoch in der Heimat stiess er aber auf Unverständnis. Tachie-Mensah: «Meine Teamkameraden lachten mich aus, weil ich diese Chance nicht gepackt habe. Das entfachte in mir ein Feuer. Von diesem Zeitpunkt an wollte ich es allen zeigen.» Kurze Zeit später wurden er und ein Teamkollege von Xamax in die Schweiz zur Sichtung eingeladen – und es funktionierte. Auf Leihbasis schloss er sich den Neuenburgern an. Wiederum hatte er bei den Verträgen kein Mitspracherecht. «Der Präsident meines ghanaischen Vereins kam zu mir und sagte, dass ich in der Schweiz bleiben werde. Meine Meinung war nicht gefragt. Das machte mir jedoch nichts aus. Ich wollte es ja allen zeigen», meint Tachie-Mensah.

«In der Deutschschweiz sind alle sehr streng»

Bei Xamax gefiel es dem Stürmer, denn es waren weitere Afrikaner im Team. Bereits nach einer kurzen Zeit wurde der FC St. Gallen 1879 auf ihn aufmerksam und war bereit, den Ghanaer zu transferieren. «Ich fragte mich zuerst, wo St. Gallen überhaupt liegt. Und dann kamen noch meine Teamkollegen. Sie sagten, dass die Deutschschweizer alle sehr streng seien. Sie haben mir richtig Angst gemacht», sagt der Ghanaer lachend. Doch der Transfer kam zustande – und kurz danach kam er auch schon zu seinem ersten Einsatz. Dazu meint der Ex-Nationalspieler von Ghana: «Ich weiss es noch ganz genau. Ich kämpfte bis zur totalen Erschöpfung, lief am Schluss beinahe auf allen Vieren und das goutierten die Fans. Obwohl wir das Spiel verloren haben, feierten mich die Fans und ich fühlte mich willkommen und angekommen.»

 
Der ehemalige FCSG-Stürmer Alex Tachie-Mensah über den FCSG.

Alex Tachie-Mensah entwickelte sich zu einem Publikumsliebling und reifte zum Nationalspieler. Für die ghanaische Nationalmannschaft lief er an der WM 2006 auch gegen Brasilien auf. «Diese Erfahrung ist das schönste, was einem Fussballer passieren kann», sagt der Ex-Espe. Doch leider beendete eine komplizierte Verletzung, mit sieben darauffolgenden Operationen seine Karriere. «Trotzdem würde ich alles in meiner Karriere nochmals genauso machen», erklärt der Ghanaer.

In Ghana ist alles lockerer – auch vor dem Match

Vermissen tut er das Fussballerleben nicht. Denn nebenberuflich steht er noch immer auf dem Rasen. Bereits einige Trainerstationen hat er hinter sich. Heute trainiert er die FE-13 vom Stützpunkt Thurgau. Alex Tachie-Mensah sagt: «Ich gebe zu: Am Anfang dachte ich, dass das Trainieren von so jungen Fussballern nichts für mich ist. Doch heute habe ich fast mehr Freude auf dem Platz als meine Spieler.» Die Entwicklung zu verfolgen, welche sein Team macht, ist für ihn erfüllend. Spass und Leidenschaft stehen für ihn jedoch im Fokus – auch an Match-Tagen. Den gezielten Fokus, die gezielte Konzentration auf den Match praktiziert er mit seinem Team nicht. «Ich finde, man verschwendet zu viel Energie, wenn man sich den ganzen Tag nur auf den Match fokussiert», sagt der heutige Juniorentrainer. Er möchte eine lockere Atmosphäre in der Kabine. Es soll und darf gelacht werden, wie in Ghana. Denn er ist sich sicher: Nur wer die Leidenschaft und die Begeisterung für den Sport nicht verliert, kann Profi werden.

Neben seinem Traineramt arbeitet er für das Unternehmen, welches dem Heimstadion des FC St. Gallen 1879 den Namen gibt – Kybun. Einen vollberuflichen Trainerjob schliesst er dennoch nicht aus. «Man weiss nie, was passiert. Spass hätte ich daran», sagt er abschliessend.