Maurice Weber ist der starke Mann beim FC Wil. Der einstige Fussballprofi, der hauptberuflich Unternehmer im Architektur- und Ingenieurwesen ist, engagiert sich mit viel Herzblut für «seinen» Klub. Die Nachwuchsförderung liegt ihm besonders am Herzen. Dies mit einem ambitionierten Ziel: Weber möchte mit seinem Klub zum besten Ausbildungsverein der Schweiz werden.

Der FC Wil ist auf gutem Weg, was sich statistisch unterlegen lässt. Das Wiler Fanionteam hat im laufenden Championat bereits bei Saisonhälfte einen Rekord überboten, den der FC Wohlen in der Spielzeit 2016/2017 während einer ganzen Saison aufgestellt hatte. Die Wiler setzten am meisten auf Schweizer U21-Nachwuchsspieler mit Jahrgang 1998 oder jünger in der Startformation ein. Bereits nach der Vorrunde wurden bei den Äbtestädtern 110 Startelf-Einsätze solcher Spieler gezählt. Der bisherige Saisonrekord der Aargauer lag bei 107. Diese Statistik zeigt, dass das Nachwuchskonzept FCO auch für den Wiler Fussballclub funktioniert, von dem aus auch die Bestrebungen zur Zusammenarbeit stammen.

Wil und Basel waren sich einig

Rückblende: Bereits 2005 strebten die Wiler eine Zusammenarbeit im Nachwuchs zwischen den Vereinen an. Weber erklärt: «Es funktionierte bis zu den U16-Mannschaften. Danach wurden unsere talentiertesten Spieler jeweils vom FC Zürich und den Grasshoppers übernommen. Wir waren aber der Meinung, dass diese Talente in der Ostschweiz bleiben sollten.» Doch die ersten Zusammenarbeitsbestrebungen scheiterten. «Zu diesem Zeitpunkt hatte in St. Gallen noch kein Umdenken stattgefunden. Dort hatte man noch immer das Gefühl, dass der FC Wil seine talentiertesten Spieler an sie abgeben soll, und man im Gegenzug die Talente nach Wil gibt, welche den Sprung in die Super League nicht ganz schaffen», sagt der FC-Wil-Präsident.

 
FC Wil Präsident Maurice Weber über den FCO 

2008 wurde der zweite Versuch unternommen. Unter dem Namen TOCH – dies stand für «Team Ostschweiz» - wurde erneut die Nachwuchs-Fusion mit dem FC St. Gallen angestrebt. «Ein externen Projektleiter sollte die Klubs zusammenbringen und die Sinnhaftigkeit des Vorhabens aufzeigen», erklärt Weber. Das Projekt stiess zwar auf gegenseitiges Interesse, wurde jedoch vom damaligen FCSG-Finanzchef kurz vor der Ziellinie über den Haufen geworfen.

Hätte der Schweizer Fussballverband nicht eingegriffen, wäre der FC Wil heute die Talentschmiede des FC Basel. «Wir waren uns mit den Baslern einig und beide Seiten wollten die Kooperation eingehen. Doch der SFV hat diesem Vorhaben einen Riegel geschoben, indem er erklärte, dass der Fussball in Regionen aufgeteilt werden muss. Wil und St. Gallen müssen zusammenarbeiten», sagt Weber. Die zwei Ostschweizer Vereine gründeten danach Future Champs Ostschweiz, so wie es heute besteht.

Wiler liefern «Rohmaterial»

Der FC St. Gallen stemmt 95 Prozent des FCO-Budgets. Doch die Wiler sind nicht nur die Profiteure der Zusammenarbeit. Maurice Weber formuliert es so: «Ja, es stimmt. Die St. Galler stemmen den Grossteil des Budgets. Oft geht aber das Rohmaterial vergessen. In den St. Galler Teams von der U14 bis U21 spielen bis zu 62 Prozent Talente aus dem Wiler Stützpunkt. Wir bringen also viel fussballerisches Potenzial heraus. Wir vom FC Wil haben schon fast 70 Spieler in die Super League gebracht.»

Weber ist der Überzeugung, dass die grossen Stärken des Projekts die verschiedenen Spielklassen sind, welche den Spieler für ihre Entwicklung zur Verfügung stehen. Von der Super League bis hinunter in die fünfthöchste Fussballstufe, der 2. Liga interregional, deckt das Gebilde alles ab. Die Spieler können immer den passenden nächsten Schritt machen.