Über die Leichtathletik ist die junge Toggenburgerin Michaela Koch zum Seilzieh-Sport gekommen. Der entscheidende Faktor dahinter war die lange und mit vielen Erfolgen gekrönte Seilzieh-Karriere ihres Vaters. Heute ist die 28-Jährige im Nationalkader der Seilzieh-Frauen und kämpft an Europa- und Weltmeisterschaften um Edelmetall für die Schweiz.

Männerdomäne Seilziehen

Für die meisten von uns kommt es wahrscheinlich überraschend, dass der Seilziehsport über professionelle Verbands- und Wettbewerbsstrukturen verfügt. Die meisten kennen den Sport nur aus privaten Veranstaltungen und mehrheitlich als Disziplin für Männer. «Es ist auch so, Seilziehen ist eine klar von Männern dominierte Sportart», sagt Koch im Interview. Dennoch findet er auch anklang bei so mancher Frau, ohne dass sie ihre Weiblichkeit verliert. «In den Köpfen vieler erscheinen Frauen, die das Seilziehen ausüben, als sogenannte Mannsweiber. Doch das stimmt gar nicht. Durch die festgelegten Gewichtsklassen, bei mir bis 65 Kilogramm, erscheinen die Frauen sportlich und weiblich», erklärt National-Athletin.

Zwischen Sekunden und Minuten

Seilziehen hat nicht nur mit Muskelmasse und Muskelkraft zu tun. Vielmehr geht es auch um Kondition, Technik und Teamgeist. «Zusammen an einem Strick ziehen, ist ein Sprichwort, das perfekt zu unserem Sport passt», führt Michaela Koch aus. Demnach versuchen die Seilzieh-Frauen im Nationalkader zu Acht ihre Gegner über die Markierung zu ziehen. Was teilweise auch sehr lang gehen kann. «Mein längster Kampf dauerte 13 Minuten, mein kürzester 18 Sekunden», sagt die Toggenburgerin.

Training am Bock

Damit diese körperliche Belastung möglich ist, trainiert Michaels Koch zwei Mal pro Woche mit dem Seilziehclub Gonten aktiv am Bock. Bock, so wird das Sportgerät genannt, welches für das Training am Seil nötig ist. Dazu kommt jedoch noch, dass jeder Athlet und jede Athletin nebenbei Kraft-, Koordinations- und Ausdauertraining betreibt. Hierbei wird die Rumpfmuskulatur forciert, da diese Körperpartie beim Seilziehen am meisten benötigt und beansprucht wird. «Ich persönlich trainiere neben dem Clubtraining jeweils zwei bis drei Mal pro Woche», fügt die Sportlerin abschliessend an.

 
Michaela Koch im Videointerview.