Die Spielerberatungsagentur Front Group in St. Gallen besteht schon seit 23 Jahren. Bereits zu Beginn ihrer Arbeit haben die Cedrola-Brüder, Michele und Renato, ihre strategische Ausrichtung definiert. Sie setzten nicht auf Quantität, sondern auf Qualität. Das heisst, sie pflegen ein Spieler-Dossier zwischen 20 und 25 Fussballern, mit welchen sie in engem Kontakt stehen und jeder Einzelne das nötige Interesse ihrerseits bekommt. «Wir sehen uns in der Pflicht, unsere Klienten besser zu machen. Will man das erreichen, ist diese Arbeit für jeden einzelnen Athleten zeitaufwendig und bei einer zu grossen Anzahl an Klienten kaum mehr zu schaffen», sagt Michele Cedrola.

Unter anderen betreuen die Spieleragenten derzeit vier ehemalige FCO-Spieler: Kemal Ademi, Cédric Gasser, Serkan Izmirlioglu und Gianluca Tolino. Auf alle vier wurden die Berater schon früh aufmerksam. Und genau das gehört zum Tagesgeschäft. «Um Talente zu entdecken, bewegen wir uns oft an Spielen von Nachwuchsspitzenmannschaften. Das kann schon in der U15 beginnen. Wir sichten Talente mehrfach, bevor wir sie kontaktieren», erklärt der Spielerberater. Die Kontaktaufnahme geschieht über eine bekannte Person aus dem Umfeld, wenn es denn diese gibt – zum Beispiel den Trainer. Ansonsten werden die Eltern kontaktiert.

Auch Trainer, Freund und Vaterfigur

Nach der ersten Kontaktaufnahme setzen sich die Berater im besten Fall für ein Kennenlerngespräch mit den Eltern und dem Spieler zusammen. Dazu Cedrola: «Wir wolle die Person hinter dem Fussballer kennenlernen und herausfinden, was seine Ambitionen sind. Schliesslich müssen sich beide Parteien wohl fühlen. Denn als Berater kommt man nahe an die Spieler heran. Es braucht viel Vertrauen.» Entgegen der allgemeinen gültigen Meinung kümmern sich die Spielerberater nicht nur um Transfers und Verträge. «Nachwuchsfussballer sind ein Investment. Über Jahre verdienen wir nichts daran. Wir glauben aber an unsere Athleten und unterstützen sie in allen Belangen. Wir wollen sie fussballerisch, mental und auch privat unterstützen», sagt der Co-Founder der Front Group.

Von dein meisten Spielen ihrer Kicker machen sie Analysen, ähnlich wie die Trainer, jedoch spezifisch für ihren Klienten. «Das fussballerische Know How für diese Spielanalysen haben wir uns über die Jahre angeeignet und bauen auch auf das Wissen unserer Mitarbeiter, die teilweise direkt aus dem Profifussball stammen», erklärt Cedrola. Doch nicht nur der Fussball ist zentral für die Front Group. «Wir wollen den Talenten helfen, sich zu entwickeln, auch auf persönlicher Ebene. Es ist uns ein Anliegen, dass die schulische Ausbildung nicht zu kurz kommt und auch bei privaten Problemen stehen wir unseren Athleten zur Seite», sagt der Sportagent. Durch diese enge Verbindung entstehen Freundschaften, die auch über die Dauer der Zusammenarbeit hinausgehen, so der Spielerberater. Gerade bei Nachwuchsspielern fühlt sich der Berater teilweise auch als Vaterfigur.

Im Kreissaal als Dolmetscher

Dass die Verbindungen zwischen dem Berater und dem Spieler eng sein können, beschreibt Cedrola anhand eines Beispiels mit einem Ex-FCSG-Spieler: «Mit Oscar Scarione haben wir eine ganz spezielle Situation erlebt. Er war für den Fussball im Ausland und seine Frau lag mit Wehen im Kreissaal. Meine Frau musste mit im Raum sein, um für die Argentinierin zu übersetzen.» Scarione hatte es noch rechtzeitig zur Geburt des Kindes ins Stephanshorn nach St. Gallen geschafft. Es war eine jener Situationen, in denen die Berater auch privat für ihre Schützlinge einstehen. «Es gabs auch schon, dass ich Trauzeuge eines Spielers von mir war», sagt Cedrola.

 
Michele Cedrola von der Front Group über das Beratertum.