Wenn der FC Wil am Mittwoch im Stade Colovray in Nyon aufläuft, wird er acht Tage spielfrei gehabt haben. Das ist in dieser «Nach-Corona-Saison» eine unheimlich lange Zeit. Grund dafür ist die kurzfristige Absage des Heimspiels gegen die Grasshoppers von vergangenem Freitag, da deren Stürmer Amel Rustemoski mit Covid-19 infiziert wurde. Am Dienstag hat die Liga nun kommuniziert, wann dieses Spiel im Bergholz nachgeholt wird: am Montag, 27. Juli. Damit es mit den vorgeschriebenen zwei Ruhetagen, welche zwischen zwei Partien gewährt sein müssen, aufgeht, werden diverse Spielverschiebungen nötig.

Drei-Tage-Rhythmus

Der Heimauftritt gegen Aarau findet einen Tag früher als geplant am 24. Juli statt, das Heimspiel gegen Chiasso zwei Tage später als erwartet am 30. Juli und das abschliessende Spiel in Lausanne ebenfalls zwei Tage später als geplant, nämlich am 2. August. Somit spielt der FC Wil ab Mittwoch durchgehend im 3-Tage-Rhythmus und trägt zwischen dem 24. Juli und dem 30. Juli drei Heimspiele binnen sechs Tagen aus. Die kompletten letzten beiden Runden wurden um zwei Tage nach hinten verschoben.

Eines ist spätestens seit Montag klar: Die Meisterschaften im Schweizer Profi-Fussball werden fortgeführt und sollen um jeden Preis beendet werden. Dass die ganze Mannschaft und der Staff des FC Zürich in Quarantäne sind, ändert nichts an dieser Tatsache. Zu gross wäre der wirtschaftliche Schaden, wenn nun unmittelbar vor der Ziellinie abgebrochen würde. Das zeigt: Sportliche Kriterien werden auch mal hintenangestellt. Hauptsache, die Ziellinie wird irgendwie erreicht.

Bisher mit wenigen Verletzten

Die kommenden drei Spiele des FC Wil sollen wie geplant stattfinden. Das ist alles andere als selbstverständlich. Der nächste Gegner, Stade Lausanne-Ouchy, hat noch vergangene Woche gegen die Grasshoppers gespielt. Eine Halbzeit lang stand bei den Zürchern auch Rustemoski auf dem Feld.

In Nyon geht es für die Wiler einerseits darum, sich nicht zu verletzen. Bisher sind die Äbtestädter mit einem blauen Auge davongekommen. Das Kader ist aktuell so breit, dass Trainer Ciriaco Sforza das Rotationsprinzip anwenden kann. Die heikelste Phase, in welcher die Spieler aufgrund der hohen Belastung besonders verletzungsanfällig sind, folgt aber erst mit 7 Spielen in 18 Tagen. Ganz anders sieht es aktuell zum Beispiel bei den Liga-Konkurrenten SC Kriens und FC Chiasso aus. Als die beiden Teams am vergangenen Samstag aufeinandergetroffen waren, hatten beide nur drei Ersatz-Feldspieler, welche dann auch eingewechselt wurden. Von den fünf möglichen Wechseln konnten also beide Trainer nicht Gebrauch machen.

Heimstark im Exil

Sportlich wollen die Wiler eine positive Serie fortsetzen und den dritten Sieg hintereinander einfahren. Gelingt dies, hätten sie zum ersten Mal unter Ciriaco Sforza zwei Auswärtsspiele hintereinander gewonnen. Die Erinnerungen an Nyon sind gut, landeten die Wiler doch im vergangenen Oktober im Colovray einen diskussionslosen 3:0-Auswärtssieg. Dreifach-Torschütze war Filip Stojilkovic, der in der Winterpause an den FC Sion verkauft wurde.

In Nyon zu gewinnen, ist allerdings alles andere als einfach – und seit Ende Januar niemandem mehr gelungen. Seither gab es für «SLO», wie Stade Lausanne-Ouchy abgekürzt genannt wird, fünf Heimspiele mit drei Unentschieden und zwei Siegen. Mit dabei war ein 4:1-Erfolg gegen die Grasshoppers. In der Hinrunde war im Colovray schon Leader Lausanne-Sport ohne Punkte geblieben. Und das alles im Exil-Stadion von Stade Lausanne-Ouchy. Zuletzt aber setzte es für die Waadtländer auswärts aber zwei hohe Niederlagen bei Aufstiegs-Aspiranten ab: 0:4 im Letzigrund gegen die Grasshoppers und 1:5 im Fürstentum Liechtenstein beim FC Vaduz.

Im Einsatz: Spieler aus dem eigenen Nachwuchs

In einer Rangliste der Swiss Football League (SFL) hat der FC Wil noch immer die Nase vorne – ganz weit vorne. Die Äbtestädter führen die Effizienztabelle der SFL an und das vor allen 20 Profiklubs der Schweiz. Somit auch vor den Super League Vereinen.

Die Effizienztabelle wiederspiegelt den Einsatz von Schweizer U21-Spielern in der laufenden Meisterschaft. Dabei geht es der SFL um die Nachwuchsförderung der Schweizer Fussballtalente. Und genau das macht der FC Wil so gut wie kein anderes Team. Nach nur 18 Runden der laufenden Meisterschaft hat man den Rekord des FC Wohlen eingestellt und stand heute bereits sehr hoch nach oben gehoben. Schlussendlich werden eine Million Franken von der SFL an die Teams verteilt. Dabei können sich die Wiler auf einen Löwenanteil freuen.

Auch heute werden wieder einige Schweizer U21-Spieler in der Startformation von Ciriaco Sforza stehen. Dennoch stammen die meisten dieser Spieler nicht aus dem eigenen Nachwuchsförderprogramm Future Champs Ostschweiz (FCO). Die besten Einsatzchancen der FCO-Spieler haben aufgrund der letzten Partien wohl Julian von Moos, Argtim Ismaili, Philipp Muntwiler und Silvan Schäppi. Dazu werden wohl noch einigen auf der Bank Platz nehmen, wie Torhüter Yuri-Gino Klein. Weitere FCO-Spieler im Kader des FC Wil 1900 sind: Lars Traber, Gianluca Tolino, Jan Wörnhard, Ajet Sejdija und Serkan Izmirlioglu.