Schon über ein Jahr lang dauert die laufende Challenge-League-Saison. Für den FC Wil hat sie am 20. Juli 2019 mit einem 1:0-Auswärtssieg beim FC Chiasso begonnen. Ein Jahr später sind die Äbtestädter damit beschäftigt, ein unliebsames Erlebnis zu verarbeiten. Die 1:2-Heimpleite von Samstagabend gegen den FC Vaduz war ein kleiner Schock, weil lange gar nichts auf leere Hände hingedeutet hatte und die Wende erst in den Schlussminuten erfolgte.

Nur noch Höhepunkte für Winterthur

Nun gilt jedoch: Mund abwischen und weitermachen. Im heutigen Spiel wartet der FC Winterthur. Gespielt wird im Zürcher Utogrund. Das Winterthurer Heimstadion, die Schützenwiese, steht bis Ende August wegen einer Rasensanierung nicht zur Verfügung. So tragen die Eulachstädter alle ihre Partien seit dem Re-Start im Zürcher Quartierstadion aus – auch den Cup-Viertelfinal am 5. oder 6. August gegen den FC Bavois. Unterstützung von den eigenen Fans haben die Winterthurer seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs somit überhaupt keine. Auswärts dürfen grundsätzlich keine Gast-Fans dabei sein. Der FC Winterthur hat zudem entschieden, auch im Utogrund echte Geisterspiele durchzuführen. «Das Kleinstadion konnten wir von der Stadt Zürich mieten, weil wir Geisterspiele eingegeben haben. Bis zu 300 Personen können wir aufnehmen, mehr ist unter den Corona-Schutzbestimmungen vom Platz her schwierig. Einen öffentlichen Ticketverkauf gibt es nicht», sagt FC-Winterthur-Geschäftsführer Andreas Mösli zu hallowil.ch, dem Partnermagazin von hallochamps.ch.

Für die Winterthurer geht es nun in die heisse Phase der Saison. Nach dem Derby gegen Wil stehen zum Saisonabschluss noch lauter Vergleiche mit Teams aus den Top-4 an: Lausanne-Sport, GC und Kriens heissen die Gegner, wobei das Spiel gegen die «Hoppers» in der letzten Runde stattfindet. Vermiesen am Ende ausgerechnet die Winterthurer dem Kantonsrivalen die Barrage-Teilnahme? Und wird für Winterthur gar noch Platz vier zum Thema? Aktuell beträgt die Differenz zum SC Kriens fünf Punkte und das Torverhältnis ist markant schlechter als jenes der Innerschweizer.

Leipzig-Talent zum FC Wil? Das sagt der Verein

Vor dem Spiel gegen Winterthur kursiert zudem das Gerücht, der deutsche U19-Nationalspieler Malik Talabidi könnte von Leipzig auf Leihbasis zum FC Wil wechseln. Obwohl auch Klubs aus der 2. Deutschen Bundesliga und zwei Erstligisten aus Belgien interessiert seien, befinde sich der 19-Jährige in der Schweiz, um sich die Gegebenheiten anzuschauen. Dies berichtet das Portal transfermarkt.ch. Beim FC Wil nimmt man zu diesem Gericht keine Stellung.

Von Neo-Bullen-Cheftrainer Julian Nagelsmann, wurde der talentierte Innenverteidiger in die erste Mannschaft nachgezogen und unterschrieb im Sommer 2019 seinen ersten Profivertrag. Schnell wurden jedoch Stimmen laut, dass der U19-Internationale dies nicht nur aus sportlicher Sicht geschafft hat. Dir roten Bullen aus Leipzig sollen damals mit der Verpflichtung von Talabidi ein Problem aus der Welt geschafft haben. Denn die DFL (Deutsche Fussballliga) schreibt vor, dass mindestens 12 deutsche Spieler zum Profiteam gehören müssen. Dies war damals nicht der Fall und Talabidi bot sich als deutscher Nachwuchsinternationaler natürlich an.

Mehr FCZ als FCO an Matchtagen

Die Wiler sind das Team im Schweizer Profifussball, welches am stärksten auf Schweizer Nachwuchsfussballer setzt. Das ist nicht verblüffend, wenn man bedenkt, das der FC Wil zusammen mit dem FCSG eine grossflächige Nachwuchsabteilung hegt und pflegt.

Dennoch stammt ein Grossteil der Nachwuchsspieler nicht aus dem vereinseigenen Fussballnachwuchs. Der FC Zürich und dessen Jugend haben es wohl dem FC Wil genau so angetan. Mit Fabian Rohner, Lindrit Kamberi, Bledian Krasniqi und Kastrijot Ndau stehen gleich vier FCZ-Junioren oft in der Start-Elf von Trainer Ciriaco Sforza. Bei allen Vieren ist der FC Wil die erste Profistation.

Aus dem hauseigenen Nachwuchs hat man in Wil eigentlich nur Julian Von Moos, Silvano Schäppi und Argtim Ismaili seit dem Re-Start im Matchkader. Wovon eigentlich nur Ismaili den vollen FCO-Weg gegangen ist. Schäppi und Von Moos wechselten bereits im Juniorenbereich. Mit Philipp Muntwiler wäre noch ein weiterer ehemalige Junior im Wiler Matchkader. Doch er wird hier nicht direkt mitgezählt. Denn Muntwiler wurde 2005 Profi, da gab es den FCO und die Zusammenarbeit mit dem FC St.Gallen so noch nicht (wurde erst 2008 gegründet) und «Munti» verbrachte einen grossen Teil seiner Nachwuchsfussball-Karriere beim FCSG.