Im Sommer 2008 schloss sich Marco Hämmerli dem FC St.Gallen 1879 an. Nicht als Trainer, sondern als Fussballprofi. Der ehemalige Mittelfeldspieler verbrachte fünf Jahre bei den Espen und beendete seine Profisportkarriere ebenfalls im grün-weissen Trikot. Es folgten noch einige Jahre Amateur-Fussball beim FC Tuggen und seinem Jugendverein FC Gossau, doch nebenbei begann bereits die neue Karriere – Fussballtrainer. Bei welchem Verein? Das liegt doch Auf der Hand. Beim FCSG natürlich. Heute hat der Ostschweizer das A-Diplom in der Tasche, verknüpft mit dem Berufstrainerlehrgang. «Die Ausbildung zum Berufstrainer war für mich die logische Weiterbildung, um eines Tages die UEFA Pro Lizenz zu erhalten. Es hätte noch den Weg über das A-Plus Diplom gegeben, doch für mich hat der Berufstrainerlehrgang (BTL) von Swiss Olympic mehr interessiert», erklärt der gebürtige Wiler. Nur mit der UEFA Pro Lizenz ist es einem Trainer gestattet eine Profimannschaft als Cheftrainer zu führen. Der einjährige Lehrgang zum Berufstrainer verlangt den Kandidaten einiges ab.

Rund 130 Profitrainer kämpfen um 20 Arbeitsplätze in der Schweiz

«Neben einigen Pflichtmodulen, kommen auch rund 40 freiwillige Module in diesem Jahr dazu, die auch prüfungsrelevant sind. Dazu muss eine Abschlussarbeit geschrieben werden, die ca. 100 Seiten umfasst. Das alles in einem Jahr und nebenberuflich natürlich», beschreibt der U-16 Trainer vom FCSG. Die angehenden Profitrainer nehmen viel auf sich, um eines Tages unter Umständen einmal, ein Profifussballteam trainieren dürfen. Es ist ein Weg ins Ungewisse, denn der Arbeitsmarkt im Profibereich ist sehr begrenzt. Es gibt 20 Profivereine in den Schweizer Ligen. Zehn in der Super League und gleich viele in der Challenge League. «In der Schweiz haben wir ungefähr 130 Profitrainer, die alle gerne eine Anstellung bei einem Proficlub hätten. Somit kämpfen 130 Personen um 20 Arbeitsplätze», erklärt der BTL-Ausbildner von Marco Hämmerli, Roman Wild.

Eigene Coaching-Philosophie

Dennoch ist sich Hämmerli sicher, dass er diesen Weg beschreiten will. Auch wenn der Weg ein beschwerlicher sein sollte. Er meint dazu: «Das Coaching erfüllt mich und verknüpft meine Leidenschaft mit dem Beruf.» Während seinem Weiterbildungsjahr, fokussierte sich Hämmerli stark auf die Bereiche Führung und Coaching. «Ich habe in dieser Zeit meine eigene Coaching-Philosophie geschrieben. Es geht darum, wie ich meine Junioren bestmöglich fördern und fordern kann. Dazu gehören auch die Werte, welche ich vermitteln will», erklärt der ehemalige Mittelfeldspieler. In eine ähnliche Richtung ging es auch in seiner Abschlussarbeit, die beim FCO nun teil- und schrittweise im Trainingsbetrieb implementiert wird. «Ich hatte das Gefühl, dass die Trainingsbelastung zu hoch ist. Die Spieler haben kaum noch Freizeit oder Ferien und auch das Ausschlafen liegt nicht drin. Bedenkt man, dass der Schlaf das wichtigste Regenerations-Tool für den Körper ist, sollte ein guter und ausgewogener Schlaf zwischendurch für die Talente möglich sein», meint Hämmerli.

 
Marco Hämmerli über seine bisherige Laufbahn als Trainer.