Im Fürstentum hat Martin Stocklasa nicht nur einen Job. In seiner heutigen Tätigkeit bringt er drei Beschäftigungen unter einen Hut - U21-Nationaltrainer, Talentmanager und Leiter Breitenfussball. «Wir sind ein kleiner Verband. Viele Arbeitsfelder stehen nicht für sich allein, wie dies bei grösseren Verbänden der Fall ist. Die Verbindung zwischen Talentmanager und U21-Nati-Trainer passt gut – und die Ergänzung mit dem Posten als Leiter Breitenfussball auch. Denn unser Fussball besteht mehrheitlich aus gehobenem Breitenfussball», sagt Stocklasa.

Der liechtensteinische Ex-Profifussballer beendete seine Karriere beim FC St. Gallen und übernahm nach seinem Rücktritt als Spieler Tätigkeiten am FCO-Stützpunkt St. Gallen. Es war sein Einstieg in den Nachwuchsfussball, der ihn bis heute begleitet. «Die Arbeit mit talentierten, jungen Spielern ist spannend. Ich habe anfänglich nicht gedacht, dass mich dies so in den Bann zieht», sagt Stocklasa. Dennoch möchte er im Jahr 2020 seine UEFA-Pro-Lizenz machen, also das höchste Trainerdiplom. Mit diesem wird er befähigt, Profimannschaften auf höchster Stufe zu trainieren. Doch Stocklasa sagt: «Profi-Trainer zu sein ist eigentlich kein Ziel von mir. Denn talentierte Nachwuchsspieler weiterzubringen ist eine herausfordernde und befriedigenden Aufgabe. Falls es jedoch eines Tages ein Ziel von mir werden sollte, Profis zu trainieren, bin ich froh, wenn ich dieses Diplom habe.»

Breitenfussballer spielen gegen die Weltelite

Die Situation im Fürstentum Liechtenstein ist speziell. Selten spielen Profis in der Landesauswahl. Die U21-Nationalspieler vom Liechtensteinischen Fussballverband sind vermehrt Studenten, Lernende oder Berufstätige, die sich nebenbei im Breitenfussball aktiv einbringen und Leistung zeigen. «Natürlich fördern und fordern wir unsere Spieler zusätzlich. Es reicht nicht, wenn man nur zwei bis drei Mal pro Woche trainiert. Zum Beispiel machen einige der Jungs zusätzliches Training, an jenem Ort, an dem sie gerade sind», sagt Stocklasas. Die besten Spieler mit der richtigen Mentalität, Einstellung und Entwicklung erhalten die Möglichkeit, gegen Fussballstars auf dem Feld zu stehen. In offiziellen Wettbewerben. Auch wenn sie nur Hobbyfussballer sind. Nämlich bei den Länderspielen.

 
Martin Stocklasa über die Sonnen- und Schattenseiten einer Profikarriere

Ob Hobby oder Beruf: Das Ländle ist ein wichtiger FCO-Stützpunkt, welcher vielen Talenten die Chance bietet, sich auf dem Weg zum Profi zu entwickeln. In den Auswahlmannschaften spielen nicht nur liechtensteinische Staatsbürger, auch viele junge Schweizer geniessen dort die fussballerische Ausbildung. «Es wäre uns nicht möglich, die Teams aufrecht zu erhalten ohne die Schweizer Spieler», sagt Stocklasa. Doch der liechtensteinische Fussball profitiert nicht nur. «Ab der FE-12 wechseln die grössten Talente zum Team Liechtenstein. Somit nehmen wir den anderen Vereinen im Land Spieler weg, was für diese ein Problem darstellt. Denn mit 38'000 Einwohnern haben die Vereine oft nicht genügend Spieler und sind teilweise nicht mehr in der Lage, Mannschaften zu stellen», erklärt Stocklasa. Doch das Nachwuchsprogramm FCO sieht der ehemalige FCSG-Verteidiger als ein unvergleichlich gutes Junioren-System in der Schweiz. Wie die gesamte Region Ostschweiz fussballerisch profitiere und miteinbezogen werde, sei einmalig und trage nun auch Früchte.

Ist der FC Vaduz ein Verlierer des FCO-Gebildes?

Durch das Engagement des FCO sollen die begabtesten Fussballtalente den Weg nach St. Gallen oder Wil in den Profifussball schaffen. Und was ist mit dem FC Vaduz, der im FCO-Einzugsgebiet ebenfalls eine Profi-Mannschaft stellt? Es macht den Anschein, dass dem ambitionierten Verein aus der Schweizer Challenge League durch den FCO viele talentierte Nachwuchsspieler entgehen. Was natürlich für den Club nicht zufriedenstellend sein kann. Auf die Frage hin, ob der grösste liechtensteinische Fussballclub der grosse Verlierer vom FCO-Gebilde ist, antwortete Stocklasa: «Der FC Vaduz ist ein Nischenprodukt. Viele Talente spielen für den FCSG oder FC Wil, jedoch finden einige ausgereifte Spieler wie Cédric Gasser oder Manuel Sutter den Weg zum FC Vaduz. Spieler, welche den FCO durchlaufen haben, teils Profiverträge erhalten haben, sich jedoch nicht durchsetzen konnten. Somit profitiert auch der FC Vaduz in einer Art und Weise.»