Am siebten Juni im Jahr 2000 war es offiziell. Der FC St.Gallen 1879 wurde zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte Schweizer Meister. Dies obwohl im Vorfeld der Saison, Experten den FCSG eher im unteren Teil der Tabelle vermuteten. Dass die Fussballexperten den FCSG vor den Saisons nicht auf dem Zettel hatten, ist nicht die einzige Gemeinsamkeit von den Jahren 2000 und 2020. Es gibt weitere Parallelen in der damaligen und der heutigen Situation des Vereins. Die Espen haben beide Male die Tabellenspitze kurz nach der Winterpause errungen und beide Male gelang dies mit einem Sieg gegen Servette FC. 

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Der St. Galler Marktplatz war voll. Das Foto wurde vom Balkon der Spieler aus gemacht.

Grund genug für hallochamps.ch, die Meistermannschaft von 2000 nach ihren Erfahrungen und Ratschlägen zu befragen. Wodurch das junge Espen-Team und auch die FCO-Talente profitieren können. 

Vincenzo Zinnà

«Der Fussball war für mich die beste Lebensschule, dafür bin ich dem FC St.Gallen 1879 noch heute sehr dankbar», sagt Vincenzo Zinnà. Der ehemalige Mittelfeldspieler blieb seine ganze Karriere mehr oder weniger in der Region. Einen kleinen Abstecher wagte er über die Grenze nach Österreich zur SCR Altach. Der Klub liegt jedoch in Gehdistanz zur Schweizer Grenze. Nach fünf Jahren kehrt der schweizerisch-italienische Doppelbürger in die Ostschweiz zurück und schnürte die Schuhe für den FC Gossau und den FC Montlingen. Im Jahr 2014 beendete er seine Laufbahn als Fussballer.

 
Vincenzo Zinnà ist heute im Architekturwesen tätig.

Giorgio Contini

Contini war in der letzten Meistersaison vom FCSG im Jahr 2000 zusammen mit Luiz Filho Jairo der drittbeste Skorer des Teams. Mit acht Treffern reihen sich die Beiden hinter Ionel Gane (9 Tore) und Charles Amoah (26 Tore) ein. Heute ist Contini noch immer im Fussball tätig. Als Trainer hat er sich im Schweizer Profifussball etabliert und sich einen Namen gemacht. Nach dem FC Vaduz und dem FC St. Gallen 1879, trainiert er heute den FC Lausanne-Sport, welche die Challenge League diese Saison dominieren.

 
Der heutige Trainer vom FC Lausanne-Sport spricht über den Meistertitel.

Marco Zwyssig

Er war der Chef in der Innenverteidigung beim FCSG. Marco Zwyssig brachte Stabilität in die Hintermannschaft der Espen und wuchs im grün-weissen Trikot zum Nationalspieler der Schweiz heran. Der ehemalige Innenverteidiger ist ein Eigengewächs der St. Galler - er kickte einst im Nachwuchs der Espen. Heute geht er einen dualen Berufsweg. Auf der einen Seite ist er in der Erwachsenenbildung tätig und andererseits steht er noch immer fast täglich auf dem grünen Rasen – als Trainer der NLA-Frauen vom FC St.Gallen-Staad.

 
Marco Zwyssig ist Trainer der NL-Frauen vom FC St.Gallen-Staad

Daniel Imhof

Während der Winterpause der Meistersaison 1999/2000 stiess Daniel Imhof vom FC Wil 1900 zum FC St.Gallen 1879 und war sofort präsent. Unter Trainer Marcel Koller wurde er direkt zum Stammspieler in der Rückrunde. «Ich verfolge die Leistungen vom FCSG noch heute. Ich sehe mir alle Spiele über das Internet an», sagt der ehemalige Mittelfeldspieler vom FCSG. Imhof ist in Kanada aufgewachsen und lebt auch heute wieder in seiner Heimat, der kanadischen Provinz British Columbia an der Pazifikküste.

Bei FCSG entwickelte sich Imhof zum Bundesliga-Profi. Für den VFL Bochum machte er 61 Spiele in der 1. Bundesliga und 33 in der 2. Bundesliga. Danach kehrte er zurück zu Grün-Weiss in die Ostschweiz, wo er seine Karriere beendete. Auch heute ist Fussball omnipräsent in seinem Leben.

 
Daniel Imhof meldet sich aus der kanadischen Provinz British Columbia.

Sascha Müller

Sascha Müller wurde mit den Espen Schweizer Meister und feierte kurz danach einen weiteren grossen Sieg, der in die Klubgeschichte einging. Es ist unvergessen, wie er am 28. September 2000 den FCSG gegen den englischen Grossklub Chelsea FC in Führung schoss. Der FC St.Gallen 1879 war Dank dem Meistertitel beim UEFA Cup mit dabei und traf unteranderem auf die «Blues». Die Espen mussten sich im Hinspiel in London mit 0:1 geschlagen geben. Das Rückspiel gestaltet sich komplett anders. Es lief die 19. Spielminute, Charles Amoah lancierte Sascha Müller in der Tiefe. Müller setzt sich mit seiner Schnelligkeit gleich gegen drei Chelsea-Verteidiger durch und markierte mit dem Aussenrist das 1:0 im Espenmoos. Sascha Müller brachte den FCSG auf die Siegerstrasse gegen das grosse Chelsea. Schlussendlich konnten sich die St. Galler tatsächlich gegen die Londoner mit 2:0 durchsetzen. Charles Amoah traf im Zusammenspiel mit Ionel Gane zum 2:0-Schlussresultat an diesem, für die St. Galler, geschichtsträchtigen Abend.

 
Sascha Müller - der pfeilschneller Mittelfeldspieler im hallochamps-Interview.

Ivan Dal Santo

Er war erst 18-jährig, als er seine ersten Gehversuche in der damaligen Nationalliga A machte. Und dies bei einem Verein, der heute weit weg von der nationalen Spitze ist – dem FC Wettingen. Der Aargauer Fussballklub spielt heute in der 2. Liga Interregional. Ivan Dal Santo kam 1996 über zwei weitere Stationen, FC Winterthur und Neuchâtel Xamax, zum FCSG. Sieben Jahre lang streifte er sich das grün-Weisse Trikot über, ehe es ihn zum FC Zürich zog. Noch heute ist er im Verbund des Zürcher Stadtklubs tätig. Er ist Trainer und technischer Leiter der FCZ-Frauen.

 
Ivan Dal Santo im Espen-Meister-Interview.

Patrick Winkler

Patrick Winkler ist heute 47 Jahre alt. Seine gesamte Fussballerkarriere hat er im Kanton St. Gallen verbracht – beim FC St. Gallen 1879 und dem FC Wil 1900. Dazu zählen auch die Jahre vor und nach der Profikarriere. Winkler war FCSG-Junior und nach dem Ende seiner Profi-Karriere, Trainer im Nachwuchsbereich. Ganze elf Jahre lang war er als Trainer im Nachwuchsbereich engagiert. Heute hat er sich aus dem Profi- und Nachwuchsleistungssport zurückgezogen, jedoch nicht von den Aufgaben als Trainer. Der Espen-Meister vom Jahr 2000 steht heute in der 1. Liga beim FC Gossau an der Seitenlinie.

 
Patrick Winkler war 11 Jahre lang Trainer beim Espen-Nachwuchs.

Dorjee Tsawa

Er wurde zwar nicht meister mit dem FCSG, dennoch stand er in der Meistersaison 2000 zehn Mal für die Espen auf dem Rasen. In der Wintertransferphase verliess der gebürtige Zürcher die Ostschweizer in Richtung FCZ. Dennoch ist ihm Grün-Weiss immer im Herzen geblieben. «Ich bin noch oft im Stadion anzutreffen und mein ältester Sohn spielt in der FE14 vom FCO», sagt der ehemalige Mittelfeldspieler vom FC St.Gallen 1879.

 
Dorjee Tsawa im selbstgedrehten hallochamps-Interview.

Valdir Damasio

Direkt aus Brasilien meldet sich Valdir Damasio. Der ehemalige Mittelfeldspieler der Espen kam in der Meistersaison zwar nur zu einigen Kurzeinsätzen, dennoch ist die Verbundenheit des Brasilianers zur Ostschweiz noch immer riesig. Wie er im Video erklärt, hat er seine Fussballjugend bei Clube Athletico Paranaense verbracht und träumte wie die meisten Südamerikanischen Jungfussballer von einer Karriere in Europa. Heute hat der 44-Jährige beruflich immernoch mit Fussball zu tun. Nicht mehr im Profibereich, jedoch mit Kindern. 

Das Video hat der sympathische Ex-Fussballer selbst gedreht und direkt für hallochamps.ch übersetzt. Bedenkt, es ist nicht seine Muttersprache und verzeiht deshalb die kleinen Fehler. Ein cooles Video und ein cooler Typ. «Ich kann mich noch sehr gut an die riesige Meisterfeier erinnern und es freut mich, dass die heutige Mannschaft auch drauf und dran ist, Geschichte zu schreiben. Ich wünsche ihnen dabei viel Glück», sagt Damasio im Video.

 
Valdir Damasio meldet sich mit einem fixfertigen Video aus Brasilien. Auch die Deutschen Untertitel hat er selbst verfasst.

Verteidiger: Adrian «Bübe» Eugster

Unter Cheftrainer Marcel Koller war Adrian Eugster nicht immer Stammspieler, kam aber während 23 Spielen zu 1049 Spielminuten in der Meistersaison. Gegen Neuchatel Xamax gelang ihm sein erstes und letztes Tor für den FCSG. Heute lebt der gebürtige Flawiler in Bern. An dem Ort, wo es ihn nach seinem Engagement beim FCSG hinzog – 2001 wechselte Eugster zu YB. «Natürlich verfolge ich den FCSG noch immer. Ich verbinde, obwohl ich nicht gerade um die Ecke wohne, noch immer viele Emotionen mit dem Verein», sagt der heute 42-Jährige.

 
Adrian "Bübe" Eugster im hallochamps-Meister-Interview.