Es war eine verrückte Saison, vor der viele Fans und Fussball-Enthusiasten im Vorfeld dem FCSG schlechte Karten zu sprachen. Dies obwohl die Espen in der letzten Saison die Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation nur um einen Punkt verpassten. Doch die Einschätzung basierte nicht auf der vergangenen Leistung, viel mehr auf dem Verlust der Führungsspieler wie Majeed Ashimeru und Vincent Sierro. Was man jedoch nicht wusste war, dass die Espen diese Kader-Verluste nicht nur kompensieren werden, sondern diese überflügeln würden. Auch mit Eigengewächsen wie Betim Fazliji. Seine erste Profisaison war eine unglaubliche. Ein Talent mit grossen Zukunft beim FCSG.

Alles in allem war es die erfolgreichste Saison des FC St.Gallen 1879, seit der Einführung der Super League, wie sie heute besteht. Noch niemals zuvor hatte sich der FCSG so viele Punkte erspielen können und heute könnte sogar die 70-er-Grenze fallen. Nach zwei unglücklichen, teils unverdienten Niederlagen und einem umstrittenen Unentschieden im vergangenen Februar, hätten die jungen Wilden aus der Ostschweiz den Sieg heute im Wankdorf mehr als verdient.

Im Wankdorf gewinnen – schwierig, aber nicht aussichtslos

Jedoch ist das kürzlich umbenannte Stadion des neuen und alten Meisters eine richtige Festung. Keinem Team der Super League ist es in dieser Meisterschaft gelungen, drei Punkte aus Bern mitzunehmen. Lediglich vier Punkte hätten die Young Boys Zuhause mehr erspielen können. Doch auch das letzte Unentschieden der Berner im heimischen Wohnzimmer liegt bald ein Jahr zurück. In der siebten Runde der noch laufenden Saison, trennte sich der frischgebackene Meister und der frühere Serienmeister FC Basel mit einem 1:1-Unentschieden. Auch die Tordifferenz von YB ist bei Heimspielen meisterlich. Sie schossen 48 Tore und mussten lediglich 14 hinnehmen.

Ob diese positive Serie heute ein Ende nimmt? Wenn es ein Team schaffen kann, dann der FCSG. Die Espen waren in allen drei bisherigen Spielen mindesten ebenbürtig oder gar besser. Nur Fortuna stand nicht einmal auf der Seite der Ostschweizer. In der Vorrunde konnte sich das YB-Team zweimal mit einem Tor Vorsprung zum Sieger küren lassen, auch wenn das Spiel nicht danach aussah. Im ersten Spiel der Rückrunde waren die St. Galler das bessere Team und mussten den Ausgleich spät in der Verlängerung hinnehmen – per wiederholtem Penalty. Ein Entscheid, der heute noch die Meinungen der Fans, Spieler und Fussballfunktionäre spaltet.

Meisterparty und Cup-Viertelfinal als Chance

Endlich wieder in Bern zu gewinnen wäre wohl für die Espen auch Balsam auf die Seele. Denn alleine die Partien gegen YB hätten eine heutige Finalissima herbeiführen können. Es ist davon auszugehen, dass die St. Galler mit der bekannten Stamm-Elf inkl. der drei FCO-Profis Hefti, Stergiou und Fazliji auflaufen werden. Mit von der Partie, jedoch nicht alle auf dem Rasen oder der Spielerbank, wird das gesamte FCSG-Profiteam sein. Die Espen reisen mit zwei Bussen und der kompletten ersten Mannschaft in die Hauptstadt. zum letzten Spiel.

Die grosse Chance am heutigen Abend könnte sein, dass die körperlichen Voraussetzungen der Ostschweizer besser und erholter sein könnten. YB hat nach den Meister-Feierlichkeiten sicherlich noch die eine oder andere müde Faser in den Muskeln. Dazu werden sich die Berner bereits auf den kommenden Donnerstag fokussieren wollen. Denn heute geht es um nichts mehr, am Donnerstag jedoch um den Einzug in den Cup-Halbfinal. Sie treffen dabei auswärts auf den FC Luzern und werden aus diesem Grund wohl auf den einen oder anderen Stammspieler verzichten.