Es ist nicht einfach, in jungem Alter aus der gewohnten Umgebung wegzugehen und sich alleine behaupten zu müssen, um den eigenen Traum vom Fussballprofi eventuell verwirklichen zu können. Einzelne Talente, die für den FC St.Gallen 1879 in den Jugendteams spielen, aber einen zu weiten Weg ins Training haben, bekommen die Chance in der Akademie zu leben – um die Ecke beim kybunpark. Die Akademie kann 24 Spielerinnen und Spielern ein Zuhause auf Zeit bieten. Einige sind nur kurz dort, andere leben mehrere Jahre unter dem Dach des FC St. Gallen 1879. Die Chance ist jedoch auch mit Entbehrungen verbunden. Die Talente leben nach einem strikten Tagesplan mit bis zu zwei Trainings am Tag – und das oftmals weit weg vom eigenen Zuhause. Teilweise kommen sie bereits mit 12 oder 13 Jahren an die Akademie.

Ein Klavier zur Angewöhnung

Dass nicht jedem der Abstand von der eigenen Heimat und dem engsten Umfeld einfach fällt, ist klar. Einzelne Charaktere haben zu kämpfen. Roy Gelmi, der heute für den FC Thun in der Super League auf dem Rasen steht, war so ein Charakter. Für ihn war die erste Zeit an der Akademie alles andere als leicht. «Er hat mir sehr leid getan. Man hat gemerkt, dass er sich nicht wohl fühlt, starkes Heimweh nach seiner Familie hatte und ihm die Integration schwerfiel», sagt Irene Pimenta, die als Betreuerin fungiert. Es waren jedoch nicht nur die Distanz zur Familie und das neue Umfeld, was ihn beschäftigte. Es war auch das Essen. Ernährungstechnisch war der junge Roy Gelmi eher heikel. Viele Nahrungsmittel, die speziell für Sportler wichtig sind, mochte er nicht – so zum Beispiel Fisch. «Um ihm zu helfen, sich an das neue Umfeld zu gewöhnen, haben wir veranlasst, dass seine Mutter zwei Mal pro Wochen an die Akademie kam – auch über Nacht», erklärt die langjährige Betreuerin der FCSG-Akademie.

 
Irene Pimenta über ihre Arbeit als Betreuerin an der FCSG-Akademie

Doch damit war nicht genug. Roy Gelmi hatte nicht nur eine Leidenschaft für Fussball, auch die Musik war ihm wichtig. «Weil ihm das Musizieren fehlte, um glücklich zu sein, haben wir zusammen mit der Familie Gelmi geschaut, dass Roy ein Klavier auf seinem Zimmer hat. So konnte er sich besser akklimatisieren», erzählt die FCSG-«Ersatzmutter».

«Er war der Rambo der Akademie»

Einfacher fiel es einem heutigen Neo-Profi vom FCSG. Mittelfeldspieler Tim Staubli, der gegen Gelmis FC Thun vergangenen Dezember sein Debut in der obersten Schweizer Spielklasse gab. «Tim Staubli war der Rambo bei uns an der Akademie», sagt Pimenta schmunzelnd. Staubli war einer, der sich sein Leben an der Akademie so gestaltete, dass es für ihn passte. Es gab Situationen, da kam er verspätet aus dem Ausgang zurück und musste zur Strafe die Tribünen im kybunpark säubern. «Er ist ein lustiger junger Mann, zu dem viele andere Spieler bei uns aufgeschaut haben. Er war für jeden Spass zu haben», beschreibt ihn seine langjährige Weggefährtin Irene Pimenta.

So hat er sich auch einen Begrüssungsstreich für Neuankömmlinge an der Akademie ausgedacht. Irene Pimenta sagt: «Ich weiss gar nicht, wie er das immer gemacht hat. Er hat jeweils zusammen mit Livio Krättli die Betten in den Zimmern der Neuankömmlinge demontiert und versteckt. Als die beiden dies das erste Mal taten, habe ich bis 1:30 Uhr nach den Betten gesucht. Ich wusste ja nicht, dass Tim und Livio dafür verantwortlich waren.» Der Streich wurde zum Running-Gag.