Alain Sutter ist eines der Aushängeschilder im Schweizer Profifussball. Der 60-fache Internationale startete seine Karriere einst beim SC Bümpliz und lancierte über GC und YB seine Karriere im Ausland. Lange Zeit waren die Stadien der Bundesliga sein Zuhause – 1. FC Nürnberg, SC Freiburg und FC Bayern München. In der Major League Soccer, der höchsten Fussballliga der USA, beendete der Berner bei Dallas Burn seine Aktiv-Karriere. Dennoch blieb er «seinem» Sport immer erhalten. Seit zwei Jahren ist der 52-Jährige das sportliche Gewissen beim FCSG – als Sportchef. Bei Future Champs Ostschweiz trägt er die sportliche und wirtschaftliche Gesamtverantwortung.

hallochamps.ch: Alain Sutter, was ist die Hauptaufgabe von Future Champs Ostschweiz?

Das wichtigste ist, dass die Kinder und Jugendlichen bei uns gut betreut werden. Die Zeit, welche die Talente tagtäglich aufwenden, soll gut investiert sein. Mit der guten sportlichen und menschlichen Ausbildung möchten wir ihnen ein Mehrwert für ihr Leben mitgegeben. Doch auch der Moment soll ihnen gefallen. Und natürlich hoffen wir, dass der eine oder andere den Schritt in den Profisport schafft.

hallochamps.ch: Es gibt verschiedene sogenannte «Sternchenspieler». Wie werden diese ausgesucht?

Das reicht vom Trainer, über den Talentmanager bis hin zum technischen Leiter. Es wird eine rollende Selektion geführt. Die Spielerinnen und Spieler werden nach deren momentanen Stärke eingeteilt. Das schafft Orientierung. Aber eben: Es wird immer der momentane Standpunkt angeschaut. Der kann sich immer wieder ändern.

hallochamps.ch: Was braucht ein Talent, um Profi zu werden beim FC St.Gallen 1879?

Vieles. Die fussballerischen Qualitäten sind Grundvoraussetzung. Doch auch die gute Auffassung, schnelle Handlungsfähigkeit und starke Physis sind eine wichtige Basis. Den Unterschied machen schliesslich die Persönlichkeit und die Mentalität aus. Die Nachwuchsspieler, die den Schritt schaffen, können auch Tiefs überwinden und bleiben immer fokussiert. Zudem muss der Spieler auch vom Wesen her zum FCSG passen. Was wir sicher nicht suchen, sind Diven. Denn diese passen nicht zu unserer Mentalität.

hallochamps.ch: Sind FCO-Talente oft umworben von anderen Vereinen?

Ja, selbstverständlich. Das eine oder andere grosse Talent aus der Ostschweiz spielt ja schon für andere Klubs. Immer wieder sind Scouts von verschiedenen Vereinen an den Spielen vom FCO vor Ort und versuchen, die spannendsten Talente abzuwerben.

hallochamps.ch: Die Berater sind im Fussball umstritten. Kann ein schlechter Berater die Karriere eines Talents bereits zerstören, bevor sie angefangen hat?

Man muss bedenken, dass der Spieler selbst entscheidet. Der Spieler fällt die Entscheidung, mit welchem Berater er zusammenarbeiten möchte und wessen Meinungen für ihn Gewicht haben. Somit ist die Verantwortung nicht bei den Beratern zu suchen. Falls die Kinder minderjährig sind, stehen die Eltern in der Verantwortung.

hallochamps.ch: Die U21 kämpft in der 1. Liga gegen den Abstieg. Hat es derzeit zu wenig Toptalente im Team?

Wir haben bereits viele U21-Spieler in die erste Mannschaft integriert. Diese fehlen jetzt in der zweiten Mannschaft. Die Qualität leidet etwas darunter. Man muss jedoch sagen, dass wir eine sehr junge U21 haben. Viele müssen sich erst an den Erwachsenenfussball gewöhnen. Am Schluss geht es auch bei der U21 um die fussballerische Ausbildung der Spieler, wobei wir den Fokus auf die Resultate nicht vernachlässigen. Wir sind auch da sportlich ambitioniert. Ich gehe davon aus, dass sich das Team von Brunello Iacopetta noch steigern wird in der Rückrunde.

hallochamps.ch: Dafür ist die U16-Mannschaft von Marco Hämmerli spitze. Erst letzten Samstag gewann sie gegen die U16 vom SC Freiburg mit 9:3 und führt die Tabelle in der Meisterschaft an. Was macht dieses Team so stark?

Manchmal gibt es Jahrgänge, die einfach etwas stärker sind als andere. Dieses Team hat schon in der FE14 oder der U15 stark gespielt. Es entwickelt sich gut und funktioniert als Kollektiv.

hallochamps.ch: Marco Zwyssig hat im Interview mit hallochamps.ch gesagt, dass der FC St.Gallen 1879 im Frauenfussball noch Rückstand zu anderen Schweizer Teams hat. Was macht die sportliche Führung, um den Frauenfussball zu stärken?

Ist schwierig, diese Aussage zu interpretieren. Ich war lange im Frauenfussball tätig und kenne ihn gut. Es gibt sicherlich Vereine, die einiges an Geld in ihre Frauenteams investiert und sich dadurch einen Vorsprung auf uns erarbeitet haben. Aber ich glaube nicht, dass wir weit im Hintertreffen sind. Was wir aber sicher nicht machen werden, ist, viel Geld in den Frauenfussball zu pumpen. Es geht darum, dass die Frauen die guten Rahmenbedingungen des FCSG nutzen können.

hallochmapos.ch: Die FCSG-Nachwuchstrainer sind angehalten, das «Zeidlersche-Spielsystem» bei ihren Mannschaften zu implementieren, um den Talenten allenfalls den Einstieg in die erste Mannschaft zu erleichtern. Was passiert, wenn Peter Zeidler nicht mehr Trainer ist beim FCSG?

Dieses Spielsystem hat letztendlich mit Peter Zeidler nichts zu tun. Das ist eine strategische Entscheidung unseres Verwaltungsrats. Er hat festgelegt, in welcher Ausrichtung der FC St.Gallen 1879 Fussball spielen soll. Nach diesen Kriterien wurden auch die Trainer, der Sportchef und die Spieler ausgesucht. Auch wenn uns Peter Zeidler eines Tages verlassen sollte, wird sich an dieser Ausrichtung nichts ändern.